Spain – La Coruña to Baiona

Posted 13.10.2015 by Matthias Wagener & filed under Trip

≈ English Version see below ≈

Nach der Biskaya-Querung gehen wir gleich am Hafen ins erstbeste Restaurant. Nach drei Monaten in Frankreich sind wir gar nicht so sicher, ob wir überhaupt etwas Warmes bekommen: denn in Frankreich wurde pünktlich gegessen, und es ist immerhin schon 15:30!

Aber hier ticken die Uhren eben anders, niemand stört sich an der Uhrzeit oder unserem Aufzug in Shorts und Shirts. Wir werden an einen Tisch geführt, gleich neben einer kleinen Gruppe von Herren, die nach ihrem Business-Lunch noch Zigarren genießen. IM Restaurant wohlgemerkt. Auch anders, als bei uns oder in Frankreich. Empfohlen werden Spezialitäten: Octpussalat, Muscheln, Ensalada Russa.

Dieser Eindruck bleibt: Die Spanier sind lockere Zeitgenossen. Das merken wir auch gleich am ersten Abend, denn es wird das St. Johannes Fest gefeiert. Lagerfeuer überall in der Stadt, an jeder Ecke werden Sardinen gebraten, Familien springen um Mitternacht über ihre kleineren und größeren Feuer, überall lange Tafeln und Menschen, Menschen, Menschen. Wir durchqueren die Stadt zum West-Strand. Noch mehr Menschen in den Straßen und auf der Promenade (die, wie so oft in Spanien, eine vierspurige Straße ist). Und der Strand ist ebenfalls überfüllt und es reiht sich Lagerfeuer an Scheiterhaufen, riesig!

Nach 70 h Überfahrt sind wir groggy und erholen uns erst mal einige Tage.
Wir lernen, dass die hiesige Seglergemeinde anders ist, als in Frankreich: die meisten hier wollen weiter. Einige bis Baiona und zurück, viele jedoch weiter, über Portugal auf die Azoren, Madeira oder auf die Kanaren, und dann noch weiter.
Viele Boote sind größer, VAST ist jetzt eher Durchschnitt, und die Nationalitäten sind vielfältiger. Wir treffen Segelprominenz aus Deutschland: Georg Pferdmenges und Irene von Adrichem mit Tochter Mia sind auf dem Weg nach Süden. Das haben sie ohne Kind auf 27 Füßen ??? (Segelinsider?) schon mal gemacht. Sie fahren noch weiter bis Lagos oder so, von dort aus geht es nach Deutschland, wo Mia ein Geschwisterchen bekommen wird, und dann kehren nach kurzem Eingewöhnen alle vier wieder aufs Boot zurück. Hut ab.

Wir genießen die Lebendigkeit der spanischen Familien abends auf der Plaza, spielende Kinder zwischen entspannten (?) Eltern, Siesta und (keine) Tapas – denn die soll es in Galizien gar nicht geben!
Wir besuchen Santiago de Compostella, mit dem Auto, und betrachten den Jakobsweg vom Ziel aus. Goethe sagte: Europa ist auf dem Jakobsweg entstanden. Uns fehlt vielleicht die Perspektive (oder: Phantasie?), aber das alles wirkt doch sehr geschäfts- und tourimäßig auf uns. Souvenir-Marien, Jakobsmuschel-Ketten, Teleskop-Titan-Walking-Poles, Gottes Sport Basar. Wenn Kirchen Eintritt kosten.

Wir segeln die Costa de la Muerte nach Süden. Das niedliche Muxia, Muros mit abblätterndem Charme. Es ist oft windig hier, und die Wellenhöhe nimmt zu. Aber wir haben bis auf den üblichen Vormittagsnebel fast immer Sonne. Kühl bleibt es im Nordwestwind, und der Atlantik ist mit 12 Grad auch kein Badesee.
Baiona ist unsere letzte Station in Spanien. Zu spät haben wir uns um ein Permit gekümmert, um die Ilas Ces anzulaufen, einem Nationalpark, der sich sicherlich gelohnt hätte. Dafür liegen wir  im mondänen lokalen Segelclub – zwar genauso schwellig und umgeben von großen Motorbooten wie im Stadthafen, dafür gibt es ein ledergepolstertes Clubhaus mit Live-Musik. (Ist das Clubhaus ledegerpolstert oder die Sessel dort?)

Spanien war Transit für uns, denn wir sind in Porto mit unseren ersten Gästen verabredet. Ausgelassen haben wir die Rias, das Ankern in ruhigen, geschützten Ecken. Vielleicht haben wir das französische Essen vermisst, aber wir haben es eingetauscht gegen die spanische Lebendigkeit. Darum war es toll. Und irgendwann kommen wir hier ja wieder vorbei.

≈ EN ≈

After 70 h crossing the bay of biskay we enter the first restaurant at the marina La Coruña.
First we’re not so sure whether there is still lunch available at 3:30pm – but we learn that we’re not in France anymore. People here seem to take it easy, the business guys at the table next to us even enjoy a cigar with their coffee–inside the restaurant.
We stick to the staff’s recommendations: Octopus salad, mussels, Ensalada Russa.
Our first night here we experience the feast of St John’s. The whole city is crowded with families and bonfires – grilled sardines everywhere. Everybody is prepping for midnight to jump over smaller or bigger bonfires for next years good luck.
We stroll through the masses to the western beach, finding the promenade even more crowded and the beach plastered with prepared bonfires and huge piles of drift wood to be lit at midnight.
A bit groggy and tired after the 70h trip, we stay a couple of days to relax. We learn that the sailing community is different here, crews plan to go further to Baiona, Azores, Madeira, Canaries and over the Atlantic. The boats are bigger here, too, and nationalities more diverse.

We meet lots of people, p.ex. the German sailing celebrities Georg Pferdmenges and Irene von Acheren with their daughter Mia. They go south, Georg and Irene have already crossed the Atlantic on 27feet some years ago. Now they’re heading to Lagos, then fly back home to Germany to give birth to a new family member. After a short time of adjusting as a four headed family they will get back on board to cross the Atlantic again. Chapeau!

We very much enjoy the Spanish way of living: to gather around at 6pm on plazas throughout the city, kids playing soccer, skating around between elderly couples walking by, parents having a glass of tinto…

One day we rent a car to visit Santiago de Compostella, the end of the „Camino“, the famous pilgrimage. Goethe said, Europa ist auf dem Jakobsweg entstanden (“Europe was build/made on the Camino”?). Perhaps we miss out on the experience of having travelled here by foot, but Santiago disappoints us. Everything here seems to be about business, souvenirs, scallop necklaces, titanium walking poles. And one has to buy a ticket to enter the cathedral… God’s sports basar.
So we sail on, heading south, down the costa del muerte. We stop in Muxia and Muros, both lovely/pretty, with aging charme. The coast is windy from the north west and the waves are building higher, due to the fast rising seabed. Everything stays nice and sunny for us, except for the casual morning fog. Temperatures are quite low and the Atlantic is also not that inviting with its water close to 12 degrees celsius.

Last stop in Spain: beautiful Baiona. We’re too late for getting a permit to sail and anchor at nature reserve of Ille Ces, so we enjoy our stay at the royal yacht club nautico with its swelly pontoon but classy club house, all leather and brass and live music.
This time Spain was more or less coast of transit, as we had to head for Porto to meet our first guests. We missed out on the Rias and didn’t enjoy some days of living at the hook. And we already regret the absence of French food. But there’s also this special spanish way of living, that we really love. And we’ll be back one day, of course..