Die Reise beginnt

Posted 18.06.2015 by Matthias Wagener & filed under Trip

Jetzt verlassen wir Tréguier, VASTs Geburtshafen, in Richtung Westen, unser nächstes Etappen-Ziel: das (wir ergänzen: schöne) Ende der Welt, Finistère, wir runden die Westküste und gehen dann Kurs Süd.
Also, Abschied. Nach mehr als drei Monaten sagen wir “Tschüß Tréguier” und brechen auf zur Île de Batz / Roscoff.

Für die kommenden Tage ist Starkwind angesagt, zum Beginn sind aber noch 3 Beaufort und später strahlender Sonnenschein unsere Begleiter. Der Törn wird teilweise mit Motorunterstützung gegen den Tidenstrom gefahren.

Es ist ziemlich voll in der neuen Marina, mit uns igeln sich einige andere Boote ein. Wir treffen auch die ersten Deutschen und zwei weitere Boréal, von denen eine hier ihren Heimathafen hat.

Roscoff ist ein hübsches Städtchen, nette Cafés am alten Hafen, der nach wie vor von Fischern genutzt wird, der aber trocken fällt und damit nichts für den gemeinen Fahrtensegler ist.

Tipp: für fast alle Orte, die wir anlaufen, checken wir die Restaurantempfehlungen bei Pinterest.com. Einfach mal ausprobieren, wir haben ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

Île de Batz / Roscoff – L’Aber Wrac’h

>> Une mer calme n’a jamais fait un bon marin. <<
>> Eine ruhige See hat noch keinen guten Seemann hervorgebracht. <<

Bretonisches Sprichwort

Der Starkwind hielt, was er versprochen hatte: Drei Tage heulte es in den Wanten, immer wieder Regen. Wir haben die Zeit für konzentriertes Arbeiten unter Deck genutzt und waren froh, als am dritten Tag der Wind nachließ — nach gefühlt 72 Stunden am Schreibtisch kam auch in der eigentlich geräumigen VAST Office-Koller auf 🙂

Uns war klar, dass uns unruhige See erwarten würde. Nein, es werden nicht die größten Wellen sein, die wir auf unserer Reise erleben, aber es waren bis jetzt die unangenehmsten: Gefühlte 5 m, in kurzen Abständen aus Nord anrollende, brechende, unfreundliche Dinger. Vielleicht waren sie nur 3,5m hoch 🙂 aber steil, brechend und unangenehm waren sie. Maren kombinierte ihr Unwohlsein mit einem Anflug von Seekrankheit — und war erst einmal damit beschäftigt “alles bei sich zu behalten”.

VAST machte das alles nichts aus, sie folgte artig dem Kurs und ließ sich nicht wirklich beeindrucken. Nach anfänglichem “Gebolze” gegen Wellen und Wind konnten wir abfallen und wieder segeln. Die Bootsbewegungen wurden ruhiger, und trotz der Welle kamen wir bei 4 Beaufort am Wind super voran. Nach sechs Stunden erreichten wir L’Aber Wrac’h und machten an einer Boje fest.

Manchmal, so wie bei diesem Törn, ist während der Fahrt an Arbeit nicht zu denken. Der obligatorische “Anleger” zum Abschluss jedes erfolgreichen Törns musste demnach warten: erst etliche Telefonate und Mails später gab’s das Durchatmen, die “Törnkritik” und ein verdientes Bier.

L’Aber Wrac’h ist ein kleiner Ort, Gäste machen wegen des stetigen Schwells und Tidenströmung meist an Bojen fest. Der Capitain du Port kommt mit dem Schlauchboot, um zu kassieren, zum Landgang wird das Dinghy klar gemacht (Aufbauen und zu Wasser lassen dauerte anfangs ca 45 Minuten… Aber wir werden schneller).

Abgesehen von einem Kinder-Segel-Camp gibt es nicht viel Spannendes — und selbst nach zwei Stunden Fußmarsch hatten wir keinen Supermarkt gefunden…

L’Aber Wrac’h — Camaret sur Mer

Die kommende Etappe führte durch ein berüchtigtes “tidal Gate”, dem Genau Du Four zwischen Festland und der Île d’Ouessant. Wir liefen zwar ohne Sonne aber sonst bei entspannten Bedingungen nach Camaret sur Mer. Wir ließen Brest links liegen 🙂 und machten in der idyllischen Marina Vauban fest.

Camaret sur Mer hat uns sehr gut gefallen, ein hübscher, lebendiger Ort, das Wetter war super und wir können die Laufstrecke am Wasser entlang nur empfehlen!

Camaret sur Mer — Île de Sein

Vier Tage später bunkerten wir noch schnell Diesel und gingen auf den 22 Seemeilen Schlag zur Île de Sein. Strahlendes Wetter, bis zu 5 Beaufort und in Spitzen mehr als 10 Knoten auf der Logge haben Spaß gemacht.

Die Insel ist winzig, Tagestouristen bestimmen den Tagesablauf, zusammen mit dem Fährschiff kommt ein Delfin ins Hafenbecken geschwommen und umkreist neugierig die VAST.

Im Hafenbecken der Île de Sein gibt es einige Bojen oder es wird geankert, teilweise auf sehr algigem Grund. Wir hatten mindestens 25 Kilo Algen zu entfernen, als wir nach der zweiten Nacht ankerauf gingen.

Île de Sein — Loctudy

Wir segeln bei 3, zunehmend bis zu 5 Beaufort und erneut strahlendem Sonnenschein den 45 SM Schlag noch Südosten. Die Pointe Du Raz ist friedlich und erneut ist das Doghouse Büro statt Navigationsplatz. Nach 8 Stunden fädeln wir VAST in eine eigentlich zu enge Lücke am Wellenbrecher in Loctudy. Jetzt sind wir wirklich am nördlichen Ende der Biskaya angekommen.

Loctudy ist sehr ruhig und/aber wunderschön. Wie die Bretagne so ist 🙂 Alles scheint sich hier langsam auf den Sommer vorzubereiten: im Hafen wird gewerkelt, Brasserien und Restaurants öffnen schon mal, wenn auch nur tagsüber, die meisten Ferienhäuser sind noch dicht verrammelt, aber die Strandpromenade wird auf Vordermann gebracht.

Aber wir sind ja nicht nur zum Vergnügen hier, wir haben viel zu tun und gar nicht so viel Zeit für sightseeing. Doch: die Aussicht vom Arbeitsplatz ist unbezahlbar. 🙂

Loctudy — Concarneau

Der nächste Zielhafen war unter anderem inspiriert von den Krimis von Jean-Luc Banales — es geht nach Concarneau, der prächtigen „blauen Stadt“ (so wird sie im Roman beschrieben, wegen der blauen Fischernetze, die im letzten Jahrhundert die Quais gesäumt hatten). Vielleicht ein Bisschen kitschig, aber warum nicht? Wir waren auf den Spuren von “Monsieur le Commissaire Dupin”, aßen in seinem Lieblings-Restaurant (“Amiral”, zwar hatten wir kein Entrecôte, aber dafür ein sehr leckeres Menü) und versuchten nachzuvollziehen, wo die schwärmerische Beschreibung der Bretagne ihren Ursprung hat…

Concarneau war aber auch wichtig, da es hier eine Autovermietung gibt 🙂 50% der Crew verließen VAST für einen ausgedehnten Working-Trip nach Barcelona, Hamburg, Leipzig und Dresden. Mit einem Miet-Polo ging es dafür nach Nantes zum Flughafen, erst 10 Tage später würde die Crew wieder vollständig sein.