Atlantic and Algarve – a retrospective on Portugal

Posted 23.08.2016 by Matthias Wagener & filed under Trip

=== Englisch Version Below ===

Fast drei Monat (Juli-Sep 2015) segeln wir an der Küste Portugals von Porto bis Faro.

Über den Törn von Porto nach Nazarée und über Lissabon (Video und Fotos) haben wir ja schon berichtet. Über das Segeln und unsere Gäste an der Algarve haben wir schon ein Video-Log für euch.

Was nicht so deutlich wird, sind die Eindrücke, für deren Darstellung oder Formulierung wir etwas mehr Zeit brauchten. Denn so ein Land hinterlässt ja was in einem, das sich in einem kurzen, netten Video nicht so gut transportieren lässt. Wir versuchen das hier mal mit etwas Text 🙂

Also, Portugal hat uns super beeindruckt. Rückblickend standen wir noch am Anfang unserer Reise, die ganzen neuen Eindrücke nach dem Überqueren der Biskaya sind neu. Nun ja, Frankreich und dann eben ein Stück Galizien, Spanien liegen hinter uns und wir erleben ein weiteres Land vom Wasser aus.

Wie im Porto-Post beschrieben sind diese Eindrücke in den ersten Häfen nicht immer positiv: überall schwingt, neben der Lebendigkeit und Freundlichkeit der Menschen, etwas Marodes mit. Die nicht renovierten oder dem Verfall überlassenen Häuser, das stetige neu neben alt. Immer wieder haben wir den Eindruck, dass da die Zeit stehen geblieben ist, sei es in den Restaurants mit Plastiktischdecken und -Stühlen, den Mini-Lädchen in den engen Gassen der Urlaubsorte, dem Zustand der Marinas, dem Fehlen von Segelbooten – das begleitet uns, bis wir wieder nach Spanien kommen.

Ob Figueira Da Foz, Nazarée, Peniche, Lagos, Portimao, Albufeira: überall ist die Küste einladend für Natursuchende und Wassersportler, ein Paradies für Touristen. Nun ja, wenn man keine wirklich warmen Gewässer erwartet jedenfalls.

Beispiel Figueira Da Foz: ein unglaublich breiter und “tiefer” Strand, bereit für viele Touristen. Aber der Strand ist leer. Vielleicht liegt das am Wind, der uns dort zwei Tage ausharren lässt – weder der Hafen noch der Ort wären für sich genommen ein echter Bleibegrund gewesen. Wenn man genau hinschaut, findet man in der zweiten Reihe, hinter den Touristenmeilen, einige kleine Läden, Junge Leute, die etwas Großstadt-Charme versuchen: Gin-Bars, kleine Lebensmittelläden mit regionalen Produkten und kleinem Café. Aber auch hier überall “Portugiesischer Verfall”, ein für unsere Wahrnehmung unverständliches Nebeneinander von Neu und Alt, oder besser: kaputt. Mal sind es verfallene Häuser im Stadtzentrum, ganze Areale mitten in der Stadt, die ungepflastert sind und als rudimentärer Park- oder Müllplatz genutzt werden. Daneben wieder hübsch zurechtgemachte Stadthäuser, Bankfilialen in Glas und Beton, dann wieder reine “Tourismus-Architektur”, bessere Plattenbauten, Hotels, im Erdgeschoss reihen sich Strand-Ramsch-Läden aneinander.

Nazarée: im Winter ein Paradies für Surfer, hier gibt’s Monsterwellen von 30 Metern Höhe und mehr. Es kommt auf’s Wetter an, ob man den Ort als Segler überhaupt anlaufen kann, denn der Hafen ist häufiger gesperrt, immer wieder gibt es hier und in Figueira da Foz, durch Wellen, Unfälle direkt in der Anfahrt. Abgesehen davon: eine gut touristisch besuchten Strandpromenade und wieder ein Wechsel von genutzten und ungenutzten, hübschen und verfallenen Häusern, der marode Charme. Verrückt, wo hier doch so viel los ist. Aber das Tourismus-Geld muss wohl in andere Projekte fließen.

Nach dem Runden des Cabo De Sao Vincente dann die Algarve, irgendwie haben wir erwartet, dass sich das Bild nun ändern würde – aus unserer Sicht bleibt’s aber, wie gehabt. Na klar, es gibt einige besser entwickelte Touristen-Hochburgen, je weiter man nach Osten in Richtung wärmeren Wassers kommt. Die Bebauung wird unansehnlicher, Massentourismus soll wohl notwendige Einnahmen bringen – das scheint aber nur mäßig zu funktionieren. Und wir sind relativ sicher, dass auch Sparfüchse für ihr verdientes Geld anderes erwarten, zumindest, wenn man die ein oder zwei Straßen hinter die Uferpromenaden schaut.

Wir erleben tolle Ankerbuchten und iMeer wieder eine beeindruckende Natur – die natürlich, wo immer möglich, auch zu Geld gemacht wird. Wer will es den Menschen verübeln? Dennoch sind wir fast erleichtert, als wir am Grenzfluss Guadiana wieder nach Spanien kommen, linkes Ufer Portugal, verfallene Werftanlagen, rechte Uferseite Spanien, Werftanlagen – und die Häuser erstrahlen in freundlichem Weiß. Was für ein Unterschied.

Tja, das klingt jetzt ziemlich einseitig – dabei haben wir Portugal wirklich genossen. Die Menschen sind durchweg hilfsbereit und sehr freundlich, sie sprechen Englisch und in den Häfen immer wieder auch Deutsch (muss ja nicht sein, macht es aber immer einfacher :)). Und natürlich hat Portugal landschaftlich unwahrscheinlich viel zu bieten!

Portugal, für und bleibt der Eindruck: Du bist ein super nettes Land, vOrt Allem mit deinen tollen Menschen; es gibt so viel zu sehen und zu erleben, und Du bist spannend zu besegeln. Der Wermutstropfen ist für uns das beschriebene Nebeneinander der hübschen, zurechtgemachten Lebensbereiche Europäischen Standards auf der einen, und des verfallenen, kaputten und unfertigen Eindrucks auf der anderen Seite.

 

=== Englisch Version ===

 

Nearly three month (July-Sep 2015) we sail along Portugal’s coast from Porto to Faro.

We already wrote about the trip from Porto to Nazarée and Lisbon. We also have a video log about sailing with guests at the Algarve.

What’s perhaps not that transparent until now is our personal impression—which needed a little more time, because Portugal left something, we just couldn’t put in a short, nice video. We try now, with some text 🙂

So, first things first: Portugal has super-impressed us.

Looking back, when we reached Portugals coasts, we were just at the beginning of our trip. All impressions after crossing the Bay of Biscay were new… well, we’ve sailed Brittany, the English chanel and then just a piece of Galicia, Spain.

Our impressions of Portugal were not always positive in the beginning: everywhere, next to the liveliness and friendliness of the people, we found abondened houses, got the impression of trying but not accomplishing. It’s continuous ‘new’ besides “old”–in a not so well done manner, as if people just didn’t care. Sometimes we had the impression that time has just stopped somewhere in the past–in the restaurants with plastic tablecloths and chairs, mini-shops in the narrow streets of the tourist resorts, the state of the marinas, the lack of pleasure boats… On the other hand it’s no question that  Figueira Da Foz, Nazarée, Peniche, Lagos, Portimao, Albufeira: everywhere the coast is inviting for nature seekers and water sports enthusiasts, a paradise for tourists. Well, if you do not really expect warm waters anyway.

To Examples.

  1. Figueira Da Foz: an incredibly broad and “deep” beach, ready for many tourists. But the beach is empty. Maybe it is the wind, which also forces us to stay for two days. If you look closely, you will find some interesting going on in the second row, behind the tourist strips: some small shops, young people who are trying something big-city charm: Gin bars, small grocery stores with local products and small cafe. But even here you find the “Portuguese decay”. Sometimes it’s dilapidated houses in the middle of the  city center, whole areas within the city not paved and used as a rudimentary parking or to dump waste. Then again nicely trimmed townhouses, bank branches in glass and concrete, followed by pure “tourism architecture”, better prefabricated buildings, hotels, the ground floor packed with beach-junk shops.
  2. Nazarée: in winter a paradise for surfers, with monster waves of 30 meters and more. For sailors even in summer it depends on the weather if you can enter the marina, as the the port is closed due to wind and waves making the entrance unsafe.

So, after rounding the Cabo De Sao Vicente, we reached the Algarve, expecting something to change.

But, the picture would not change–from our perspective Portugal remains’s—Portugal.

Sure, going east we found better developed tourist areas, as we moved towards warmer waters. Bit hotels at the water front, more touristy shops, reatsuarants with pictures of their dishes… Mass tourism should probably bring needed revenue–but that seems to work only so so.

On the other hand again at the Algarve we find great anchorages, calm bays and an impressive nature–that is, of course, wherever possible also monetized. But who wants to blame people ?

Nevertheless, somehow we were almost relieved when we crossed the border at river Guadiana to Spain, left bank Portugal, derelict shipyards, right bank Spain, shipyards–and the houses glisten in pure white. What a difference.

Well, that sounds pretty sad? Strange, because we really enjoyed and loved Portugal. People were consistently helpful and very friendly, they speak English and in the ports sometimes also German (no need, but making it ever easier :)).
And of course, Portugal has so much to offer!

Por tubal, you are a super nice country, with your lovely people and all those nature to experience, and you’re exciting to sail, too.

The downside is that juxtaposition of pretty, trimmed European standards on the one hand, and the dilapidated, broken and unfinished impression on the other.