1.000 miles later – 1.000 Seemeilen später

Posted 15.02.2017 by Matthias Wagener & filed under Preparation

≈ English see below ≈

Nachdem wir in den letzten zwei Jahren so viele Katamarane mit glücklichen Crews an Bord getroffen hatten, kam uns eines Tages die Idee, auch mal einen zu segeln.

Also flogen wir nach Montpellier und haben uns zwei Werften angeschaut, SwissCat und Outremer.

Super nette Leute haben uns die Produktion gezeigt und uns zu entspanntem Testsegeln mitgenommen.

Das Segeln hat uns überrascht: bei 9 Knoten und 30 Grad am Wind  (scheinbar) ging es mit Code-0 ohne Probleme auf 6.5 Knoten. Raumer Wind mit Code D brachte uns noch näher an die Windgeschwindigkeit.

Claudia Dengler, professionelle Skipperin für Überführungen der Outremer Katamarane von La Grande Motte in die USA, fragte uns kurz nach dem Testsegeln, ob wir Lust hätten, sie im Januar auf einem Überführungstörn von Frankreich auf die Kanaren zu begleiten. Also flogen wir am 16. Januar wieder nach Frankreich, um bei den Vorbereitungen einer Outremer 5X mit Namen „Jo-Jo’s Circus“ zu helfen und auf dem Törn bis zu den Kanaren als Crew mitzusegeln.

Zusammen mit den zwei Skippern, Claudia und Jan, und einem weiteren Crewmitglied, Rob, rüsteten wir das Boot aus, verproviantierten für die kommenden 1.000 Seemeilen, füllten die Tanks und warfen die Leinen in La Grande Motte los.

Los ging es am Morgen des 23. Januar bei leichtem Wind und wir motorsegelten nach Süden. Am Abend nahmen Wind und Wellen zu, wie vorhergesagt, der Wind ging auf deutlich über 40 Knoten hoch und   Jo-Jo’s Circus surfte mit bis zu 22 Knoten durch die Nacht. Mit den hohen Wellen von achtern/steuerboard war es auch eine laute erste Nacht, aber das Boot fühlte sich immer gut kontrollierbar und gutmütig an.

Der erste Stopp war Alicante, unten in der Straße von Gibraltar war starker Gegenwind vorhergesagt, den wir abwarten wollten. Drei Tage vertrieben wir uns die Zeit, dann ging es weiter nach Süd-Westen.

In La Linea, dem Spanischen Hafen in der Bucht von Gibrataltar, gingen wir nur zum Nachtanken an den Pontoon und waren nach einer Stunde wieder auf dem Weg.

Gleich unter Rabat entschieden wir, in den kleinen Hafen von Mohammedia zu gehen, einem Fischerei- und Industriehafen mit Platz für eine Handvoll Yachten. Es war wieder das angekündigte Wetter, das wir abwarten mussten und wir nutzten die Pause und unseren ersten Aufenthalt in Marokko für einen Ausflug nach Casablanca.

Nach drei Tagen bekamen wir die Erlaubnis, wieder auszulaufen und nahmen die letzten 420 Seemeilen nach Lanzarote in Angriff. Dieses Teilstück brachte uns sehr beeindruckende Atlantikwellen und wieder stärkeren Wind, diesmal nicht mehr als 35 Knoten. Unterwegs stellten wir fest, dass drei Schrauben am Genua-Furler fehlten, die die Trommel mit dem Vorstagsprofil verbinden. Aus Sicherheitsgründen nahmen wir die Genua herunter und segelten mit der Stagreiterfock und dem Großsegel.

Landfall in Lanzarote war am 6. Februar bei strahlendem Sonnenschein.

Der Törn, Erfahrungen:

  • Es war kalt zum Start und ziemlich frisch, bis wir die Kanaren erreichten
  • Neben der Kälte war es immer sehr feucht nachts, teilweise hatten wir Regen und natürlich Spray während der Wachen. Gute Schlechtwetterklamotten waren wichtig, wir trugen bis zu 3 Lagen, Wollsocken, Stiefel, die äußere Lage eben wind- und wasserdicht, dazu immer Mütze und meistens Handschuhe
  • der Wind war nur schwer länger als zwei Tage im Voraus sicher vorherzusagen. Eine Reihe von Tiefdruckgebieten machte die gesamte Passage schwer vorhersagbar: den Starkwind zu Beginn konnten wir absehen, der starke Westwind in der Straße von Gibraltar entwickelte sich erst, als wir schon auf dem Weg waren, eine Starkwindzelle vor der Afrikanischen Küste bildete sich erst heraus, als wir schon auf dem Weg waren. Dazwischen hatten wir weite Strecken ohne jeglichen Wind.
  • Die Wellen und der Atlantikschwell vor der Afrikanischen Küste war höher als 6 Meter, teilweise bis zu 9 Meter. Die Marokkanische Navy behielt unsere Pässe ein und verbot uns auszulaufen (als wir uns beraten ließen). Als wir zwei Tage später ausliefen, waren es noch immer 4,5 Meter im Durchschnitt, mit höheren Ausreißern. Wir waren froh, dass die Wellenhöhe zurückging in den folgenden 48 Stunden, bis wir das Starkwindfeld erreichten. Aber auch in den hohen Wellen war das Bootshandling ziemlich einfach – da die Wellen von hinten kamen hatten wir nur die Aufgabe, das Boot nicht zu schnell werden zu lassen („nicht zu schnell“ bedeutete aber immer noch um die 18 Knoten mit Spitzen um die 22…)
  • wir hatten tagsüber 3-Stunden-Wachen (9 to 9), nachts 2 Stunden (9 to 9), was sehr nett und erholsam war verglichen mit dem 4-Stunden-System, das wir auf VAST auf Passagen einsetzen
  • die Crew hatte als Bootseigner einige Segelerfahrung. Uns erscheint das empfehlenswert, die Outremer 5X ist ein sehr großes Boot (das Großsegel allein hat immerhin 127 m²).
  • die Freiwache übernahm die Backschaft und wir haben alle sehr gut gegessen! Abgesehen von den ersten 24-48 Stunden vielleicht, aber bei den Bedingungen war auch den (sehr) erfahrenen Skippern nicht nach Kochen zumute
  • Ein guter Skipper (und wir hatten zwei!) und eine glückliche Crew sind die halbe Miete für einen gelungenen Törn. Da hatten wir Glück. Oder haben die richtige Entscheidung getroffen. Wie auch immer: alle relevanten Entscheidungen wurden vorab mit der gesamten Crew besprochen und Möglichkeiten abgewogen. Wir hatten eine gute Sicherheitseinweisung, waren super verproviantiert und kannten alle die relevanten Knoten. Also, nichts zu meckern auch in sozialen Belangen 🙂

Katamaransegeln, Einsichten und Erkenntnisse:

  • Katamarane – segeln! Diese Outremer 5X, mit Carbon-Rigg, Laminatsegeln und der riesigen Segelfläche ist natürlich geflogen! Wir mochten die Schwerter und die Art, wie das Boot auf Trimm reagiert hat. Klar, diese Feststellungen und Erfahrungen gelten für dieses Boot! Im Vergleich sind wir einen Nachmittag eine Outremer 45 gesegelt, bei leichten Winden vor La Grande Motte, die Performance lässt ähnliches auch für die kleineren Outremers erwarten.
  • Katamarane bieten Platz, wie erwartet – und der Raum ist auch beim Segeln nutzbar. Sicherlich sind Outremer Katamarane Performance-Boote mit hohem, kurzem Brückendeck, schmalen Rümpfen und den langen, freien Bugsektionen. Sie können gar nicht den gleichen Raum bieten, wie Katamarane anderer Hersteller. Aber, aus unserer Sicht, es ist viel Raum und er scheint gut geplant zu sein.
  • Katamarane bewegen sich mit geringerer Amplitude, aber höherer Frequenz als Monos: wir haben etwas Zeit gebraucht, uns an dieses andere Muster zu gewöhnen. Aber nach der Eingewöhnung war alles fein und wir haben den Raum und den Platz genießen können.
  • Katamarane fühlen sich sicher an, für uns jedenfalls: die Bedingungen waren vielfältig, wir sind dabei immer konservativ gesegelt (alle an Bord). Wir haben früh gerefft und vor allem für die Nächte die Segelfläche reduziert, um keine Reffartistik an Deck in der Dunkelheit zu provozieren. Trotz der teilweise schweren See und der schieren Boots-/Segelgröße haben wir uns immer gut gefühlt
  • Einige Manöver müssen wir neu denken: zum ersten Mal in unserer Segelkarriere sind wir nicht durch eine Wende gekommen! Wir waren zu langsam, dann verlor die Genua den Druck, das Groß fing Wind auf der falschen Seite – und das Boot nahm auf altem Kurs wieder Fahrt auf…
  • Wir sind bewusst im Januar auf den Törn gegangen, und das war gut so. Die Bedingungen waren das, was wir brauchten, um Erfahrungen zu sammeln: wir haben sehr viel gelernt über das Katamaransegeln, Bootshandling und Segelführung in den verschiedenen Bedingungen, mit starkem Wind und (sehr) hohen Wellen. Das wird sehr hilfreich sein für die Zukunft.
  • Aus unserer Aluminium-Boot-Perspektive (voll isoliert und stark gebaut) wa dieser Törn ein lauter: die Wellen, die unter dem Brückendeck zwischen die Rümpfe krachen, klingen, als ob da jemand mit einem großen Hammer das Boot bearbeitet. In schweren Seen arbeitet die gesamte Plattform und verwindet und schüttelt sich, sobald sie von einem seitlichen Brecher getroffen wird. Aber nach einer Weile haben wir uns auch daran gewöhnt und in unseren Freiwachen ziemlich gut geschlafen 🙂
  • Wir sind alles in allem sehr zufriedene Segler und fühlen uns super, mit all diesen neuen Erfahrungen!

 

Bildschirmfoto 2017-02-15 um 17.34.14

≈ Englisch Version ≈

 

One day we had the idea to sail a catamaran, after we’ve met so many of them and their happy crews over the last two years.
So we flew to Montpellier and visited two production sites, SwissCat and Outremer.

Super nice people showed us around in the yards and took us out for relaxed test sails.

We were surprised about the sailing part: close hauled at 30 degrees (apparent) was no problem, with a code 0 we made up to 6.5 knots in 9 knots of breeze.
Reaching with a code D we came even closer to windspeed.

Then Claudia Dengler, a professional Captain for boat deliveries from France to the US, asked us, if we’d like to join a delivery trip of a 60 foot Outremer, from La Grande Motte to the Canaries in January.

So we flew in on January 16th to help preparing the boat, Outremer 5X JO-JO’s CIRCUS. Together with the two Captains, Claudia and Jan, and one other crew, Rob, we prepped the boat, did the provisioning for the next 1.000 miles, topped up the tanks and left LGM.

We started in the morning of January 23rd in a light breeze and motor-sailed south. In the evening, wind and waves picked up as predicted, the wind exceeding 40 knots at night, speeding up JO-JO’s CIRCUS to 22 knots in surfs. With the slamming waves from starboard aft it was a loud and all but smooth start. But the boat was behaving nicely and always felt controllable and safe.

We stopped in Alicante and stayed for 3 days, to sit out head winds down in the straight of Gibraltar.

In La Linea we just touched the pontoon to refuel an headed on south.

Just after Rabat we went into the small marina of Mohammedia, a fishing and industrial port with a hand full of berths for yachts. Again, we had to sit out weather and took the chance to visit Casablanca and enjoy our first visit to Marocco.

After three days we left for the last 420 miles to Lanzarote. On this last leg we again met some impressive Atlantic swells and strong winds, but this time not exceeding 35 knots at night. We discovered three screws were missing, connecting the genoa fuller to the forestay, so we took down the sail and just used the small jib, main to sail on. The gennaker could just be used for a couple of hours.

The trip, all in all experience:

  • weather was cold at the start, quite fresh until we reached the Canaries
  • besides the cold, it was wet with rain from time to time. Foul weather gear was important, 3 layers, wool socks, boots, outer layer wind and water proof, a warm hat and gloves
  • wind was close to unpredictable for the whole passage, two days max and quick changeing forecasts. Quite strong in the Golfe de Lyon, strong head winds in the Straight of Gibraltar, strong winds off the African coast. Besides that, long stretches without any breeze at all
  • waves off the African coast topped 6 meters, so we were not allowed by the navy to leave port. We left two days later, still in 4,5 meters average. We were happy the wave hights dropped in the following 48 hours, before the wind picked up again at night. But even in those waves boat handling was easy–having the swells from aft we just held the speed down („down“ means around 18 knots max on this leg)
  • we did 3 hour watches at day time (9 to 9), 2 hours at night (9 to 9), which was super nice compared to the 4 hour system we follow on Vast, when sailing overnighters.
  • the crew brought some sailing experience, being boat owners. That seems to be recommended for handling such a big thing like the Outremer 5X (main sail has 127 m² to handle).
  • the crew off watch was responsible for galley jobs. We all ate quite well, with some less cooking in the (nasty) beginning.
  • a good captain (and we had two!) and happy crew make half the passage. We were lucky. OR made the right choice. However: decisions were made after discussing options with the whole crew, we had a good safety briefing, we were well provisioned and we all knew our knots. So, happiness also on the sailors social side!

Catamaran sailing, our insights:

  • catamarans – they sail! This Outremer 5X, with carbon rigging, laminated sails and huge sail area, flys! We liked the daggerboards and how the boat reacts to every change. Of course, these points are just to be made for this boat, or a comparable one. Having sailed an Outremer 45 for a couple of hours in light winds off La Grande Motte, we expect the smaller Outremers to sail as well.
  • catamarans provide the space we expected–and it’s usable space. True, Outremer catamarans have a performance focus with a high bridge deck, narrow hulls and long free bows–they just can’t be as spaceous as some other brands. But, again from our perspective, it’s plenty and well planned room
  • catamaran movements show less amplitude but higher frequency, then monos: It took us some time to get used to this, then it worked fine and we were able to enjoy the space and room these boats provide.
  • catamarans feel safe: at least for us. We sailed conservatively (everybody on board did), reefed early, especially for the nights. Despite the (felt) sea state and the sheer boat size we always were relaxed
  • some maneuvers have to be re-thought: for the first time in our sailing career we failed to tack (lost to much speed in quite light winds, were to slow, had the genoa already flapping, then the main caught wind again… from the wrong side)
  • we sailed in January, which was a good decision: the conditions were as asked for (to increase experience). We’ve learned a lot about sail- and boat (catamaran) handling, and got an idea about catamaran sailing in different conditions, big swells and strong winds.
  • from our all-aluminium-mono-perspective (fully insulated and built strong), this sailing trip was a loud one: waves crushing against the inner hulls sound like a big hammer, hitting the boat. In rough seas the whole platform is in constant movement, twisting and shaking when hit by the big waves from the side in the Golfe de Lyon. But, after a while, we got used to it and slept well, when off watch 🙂
  • We’re happy sailors, feeling good with our fresh experience!